Abstraktes Denken und entmenschtes Fühlen
[Paul Watzlawick zugeeignet, 1992]

Oft genügen ein paar Pinselstriche,
unsre Ansichten zu retuschieren.
Doch die Mitwelt kommt uns auf die Schliche,
wenn wir allzu oft „interpretieren“.

Eine Meinung nämlich ist und bleibt
nur, wenn man sie fühlt, original!
Sie zerfasert, wenn man stets „umschreibt“
und sie so verfälscht von Mal zu Mal.

Jeder spürt doch, was ein andrer denkt!
(Selbst wenn der es nicht in Worte fügt.)
Menschen werden vom Gefühl gelenkt.
Und sie sind gekränkt, wenn einer lügt.

„Denken“ hätte also, wie wir wissen,
dem synchron zu sein, was man empfindet.
Ehrlich wäre das! Doch wird beflissen
medial das Gegenteil verkündet.

Sicher, auch „Information“ erregt.
Doch sie kann die Seele nicht erreichen!
Mitgefühl versickert; lahmgelegt
von Irritationen sondergleichen.

So wird quasi der Alarmbereich
zur Gewohnheit. Und (statt wahrzunehmen,
wie die Welt sich - vielschichtig und reich -
mit uns austauscht) sind uns rings nur Schemen.

Zwischen Außenwelt und Innenwelt
funktioniert die Koppelung nicht mehr:
Wo der sensitive Zustrom fehlt,
bleibt der Seele Auffangbecken leer.

Aber „anonym“ kann das System
uns'res Menschseins sich nicht regulieren!
Stirbt die Menschheit akkurat an dem,
sich im Psycho-Dschungel zu verirren?

Denn was einst (im Kopf) abstrakt begann,
führt im übersteigerten Gebrauch
zum „abstrakten Fühlen!“ Aber dann
sind Erkenntnisse unkenntlich auch.


~ ~ ~ * ~ ~ ~